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FAZ: Rechenspiele auf dem Briefmarkt - Deutsche Post und Konkurrenten streiten um Marktanteile

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2013 (Seite 25).  

Seit die Bundesregierung über ein strengeres Postgesetz nachdenkt, spielen sich auf dem deutschen Briefmarkt wundersame Dinge ab. Glaubt man der Deutschen Post, sind die Umsätze und Marktanteile der Konkurrenz schlagartig in die Höhe geschossen. Mehr als ein Drittel aller Briefe, die Behörden, Banken und Unternehmen verschicken, würden schon von den Post-Rivalen zugestellt, rechnet der Post-Vorstandsvorsitzende Frank Appel immer wieder vor. Soll heißen: Dort, wo das meiste Geld verdient wird, hat die Post ihre Vormachtstellung verloren; es gibt keinen Grund, sie mit neuen Wettbewerbsvorschriften zu behelligen.

Die Konkurrenz reibt sich die Augen. Auch in den Statistiken der Bundesnetzagentur ist von einem Umsatzschub nichts zu sehen. Auf rund 0,9 Milliarden Euro veranschlagt die Aufsichtsbehörde den Umsatz aller Postrivalen, einschließlich der vielen adressierten Reklameschreiben und der vereinzelten privaten Briefe, die TNT, Pin und Co. In die Briefkästen stecken. Das sind laut Netzagentur etwa 10 Prozent des gesamten Briefmarktes, ein Anteil, der sich seit mehreren Jahren kaum verändert habe.

Appels Zahlen liefern ein ganz anderes Bild. Sie beziehen sich auf die 4,3 Milliarden Euro, die laut Post mit der "Briefkommunikation Geschäftskunden" umgesetzt werden. Davon entfallen nach "gelber" Rechnung rund 36 Prozent, also knapp 1,6 Milliarden Euro auf den Wettbewerb. Die Konkurrenz der Post würde demnach allein mit Geschäftskundenbriefen rund 700 Millionen Euro im Jahr mehr umsetzen als ihr die offiziellen Statistiken für den gesamten deutschen Briefmarkt bescheinigen.

Liegen die behördlichen Markterhebungen derartig daneben? Die Darstellung der Post "suggeriert eine höhere Wettbewerbsintensität als sie nach unseren Erkenntnissen in der Realität vorzufinden ist", heißt es von der Bundesnetzagentur. Die Post hält dagegen: Die Berechnungen bezögen auch jene Briefe ein, die andere Postdienste einsammelten und nach Zustellbezirken vorsortierten, erläuterte ein Sprecher. Zugestellt werden diese "konsolidierten" Sendungen dann allerdings ebenfalls von der Post, mit entsprechenden Rabatten.

Der größte Teil des Umsatzes, der auf dem Weg vom Absender zum Empfänger anfällt, landet letztlich also weiter beim gelben Riesen. Trotzdem rechne die Post die Erlöse komplett den Rivalen zu, sagte Walther Otremba, der Vorsitzende des Bundesverbandes Briefdienste. Er hält diese Kalkulation für schlicht "irreführend": Mit rund 90 Prozent Anteil am Gesamtmarkt sei die Post weiter Quasi-Monopolist, so dass eine strengere Missbrauchsaufsicht auf dem Briefmarkt dringend geboten sei.

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